Der Einfluss von Welt- und Menschenbild auf politische Entscheidungen
am Beispiel der Idee des Grundeinkommens
Verhalten und Entscheidungen eines Menschen sind maßgeblich mitbestimmt durch seinen Standpunkt und dem Menschenbild, das er für sich als richtig erkennt. Darüber hinaus wird auch das Maß seiner Freiheit davon abhängen, inwieweit er fähig ist einen eigenen Standpunkt einzunehmen und seinen Mitmenschen ebenfalls die Freiheit eines eigenen Standpunktes gewährt. Dazu gehört auch die Erkenntnis, das ein eigener Standpunkt nicht etwas statisches ist, sondern immer wieder neu anhand der gegebenen Umstände gefunden werden muss, sonst würde man Wachstum, Fortschritt und Entwicklung leugnen und ausschließen. Darüber hinaus benötigt man zur Bestimmung seines Standpunktes die Anschauung der Umgebung zur Orientierung. Stehe ich zum Beispiel an der Ostseite eines Hauses, so werde ich es entsprechend beschreiben und es ist in dem Moment für mich wahr. Jemand der an der Südseite steht, wird es entsprechend anders beschreiben. Bin ich frei, kann ich auch den Standpunkt des Anderen einnehmen und gewinne eine erweiterte Anschauung des Objektes und bin der Wirklichkeit etwas näher gekommen. Unfreiheit würde bedeuten, ich bin nicht einmal in der Lage mir zumindest in der Vorstellung die Beschreibung des Anderen anzuschauen und gerate unter Umständen in heftigen Streit um die Wahrheit. Der Idealfall wäre natürlich, beide könnten einen Standpunkt einnehmen, von dem aus das komplette Haus zu sehen wäre. Nun sind die Verhältnisse natürlich wesentlich komplizierter, wenn es sich nicht um konkrete, materielle Objekte, sondern um die großen Probleme des Mensch seins und der Gesellschaft handelt. Vor allem wenn man bedenkt, dass man für viele Bereiche auf die Beschreibungen von Fachleuten, oder Augenzeugen angewiesen ist. Hinzu kommt dann noch, dass es viele unehrliche Menschen gibt, die nicht ehrlich beschreiben, sondern bewusst Lügen und Meinungen machen, oder verschweigen, dass Ihre wissenschaftlichen Beweise nicht auf realer Erfahrung, sondern auf Spekulationen und Theorien beruhen.
Am Beispiel der heute viel diskutierten Idee des Grundeinkommens oder Bürgergeldes möchte ich in diesem Beitrag darstellen, wie Menschenbild und persönlicher Standpunkt maßgeblich für den Ausgang der eventuell umgesetzten Idee entscheidend sind. Die Idee des Grundeinkommens wird in allen Bevölkerungsschichten und politischen Parteien diskutiert und findet auch in allen Parteien sowohl Befürworter und Gegner.
Hier ein Ausschnitt von häufig gebrauchten Argumenten:
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Pro |
Kontra |
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Aus: http://www.globalincome.org/Deutsch/Grundeinkommen.html
Die Argumente für ein Grundeinkommen können in zwei Kategorien eingeteilt werden:
1. Das Recht auf Leben
2. Freie Arbeitswahl, Motivation, Freude an der Arbeit
3. Freier Arbeitsmarkt, gerechte Einkommensverteilung, gute Arbeitsbedingungen, weniger
Ausfall durch Krankheit und Arbeitsuntauglichkeit
4. Eine bessere Verteilung von Arbeit und Einkommen, weniger Arbeitslosigkeit, Verringerung
von Leistungsdruck Argumente von Ronald Blaschke, Sprecher des Netzwerkes Grundeinkommen
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..dass es viel Arbeit gibt, die nicht mehr gemacht würde, wenn es ein Grundeinkommen gäbe, weil der Mensch nun mal faul sei und sich in jede Hängematte
legen würde, die man ihm aufbaut.
Christoph Butterwegge …. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde den Sozialstaat aber nicht „vom Kopf auf die Füße stellen“ (Reinhard Loske, grüner Bundestagsabgeordneter), sondern ihm den Todesstoß versetzen. Denn er könnte die neben der Armutsbekämpfung für einen Wohlfahrtsstaat konstitutiven Funktionen der Lebensstandardsicherung im Falle sozialer Existenzrisiken (z.B. Krankheit, Invalidität und Arbeitslosigkeit) sowie des Ausgleichs zwischen Arm und Reich noch unzureichender als bisher oder – wenn die Sozialversicherungen zugunsten des Grundeinkommens entfallen, wie in den einflussreichsten Modellen vorgesehen – gar nicht mehr erfüllen.
Da nicht nur die Armut, sondern parallel dazu auch der Reichtum in einer früher unbekannten Weise wächst, ist die soziale Polarisierung neben der
Prekarisierung das Kardinalproblem unserer Gesellschaft und vornehmlich mehr ausgleichende Gerechtigkeit nötig. Sowenig eine Kopfpauschale im Gesundheitssystem der unterschiedlichen
finanziellen Leistungsfähigkeit von Krankenversicherten gerecht würde, sowenig eignet sich jedoch das Grundeinkommen, um die tiefe Wohlstandskluft in der Gesellschaft zu schließen.
Letztlich würde es als Kombilohn für alle wirken. Weil das Existenzminimum seiner Bezieher/innen gesichert wäre, könnten diese noch schlechter entlohnte Jobs annehmen, wodurch den
Unternehmen mehr preiswerte Arbeitskräfte zur Verfügung stünden und die Gewinne noch stärker steigen würden. …. Wenn (fast) alle bisherigen Transferleistungen in einem Grundeinkommen
aufgingen, hätten Neoliberale ihr Ziel erreicht, das traditionsreiche Sozialversicherungssystem zu zerstören… |
Die Argumentationen zeigen deutlich die unterschiedlichsten Blickwinkel, bei denen entweder allgemein menschliche Ideale, politische Ziele, Weltanschauungen, Parteizugehörigkeit, persönliche Ängste und Emotionen oder rein egoistischer Zweck den Ausgangspunkt bestimmen. Für die einen existiert ein Menschenbild, das Eigenverantwortung als Zumutung deklariert, für andere ist jegliche Regulierung durch den Staat ein Eingriff in die Freiheit. Manche Argumente beruhen auf der Annahme, dass der Mensch oder gewisse Gesellschaftsschichten faul oder raffgierig sind und nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche funktioniert. Andere gehen davon aus, dass der Mensch von Natur aus gerne arbeitet und kreativ ist und nur entsprechend äußere Bedingungen braucht. Die einen gehen davon aus, dass bei Einführung des Grundeinkommens die Menschen und Bedingungen sich erheblich bessern, die anderen, dass alles nur noch schlimmer wird und usw.
Real ist wohl, dass die Einführung eines Grundeinkommens ein Experiment und Wagnis ist und Niemand mit Gewissheit sagen kann, welche Konsequenzen und Möglichkeiten die Menschen ergreifen. Real ist aber auch, dass es dringend Zeit für neue Antworten auf die neuen Gesellschaftsbedingungen ist. Richtung und Ergebnis einer Unternehmung ist auch abhängig davon , welche Grundmotivation bei der konkreten Ausarbeitung zur Einführung und Umsetzung einer Idee Pate steht. Außerdem von der bestmöglichen Erkenntnis der Bedingungen und Potentiale wie wirklichkeitsgetreues Menschenbild, Sachkompetenz in sozialen, pädagogischen, wirtschaftlichen und ökologischen Belangen. Zu berücksichtigen ist auch die Lernfähigkeit und Kreativität einen einmal in Gang gesetzten Prozess mit entsprechenden Maßnahmen zu begleiten.
Da im vorhergehenden Text schon mehrmals der Begriff Menschenbild auf geführt wurde, schließe ich auch noch einige Gedanken und Vorstellungen zum Thema Menschenbild an, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.
Welt- und Menschenbilder
Zur Allgemeinbildung gehört das Wissen, dass der Mensch außer seinem äußerlich sichtbaren Körper auch Gefühle und Gedanken hat. Man spricht auch oft von der Dreiheit von Körper Seele und Geist, wobei die Begriffe von Seele und Geist je nach Weltanschauung und Kontext, in dem die Begriffe benützt werden, durchaus eine unterschiedliche Bedeutung haben. Ein ganz wesentlicher Unterschied, der sich schon lange in der Menschheitsgeschichte durch philosophische Auseinandersetzungen zieht, ist auf der einen Seite der materialistische Vorstellungsansatz, in dem auch die heutige Wissenschaft verankert ist. Dies bedeutet im praktischen, dass die Materie der Urgrund alles Seins ist. Für ein Menschenbild bedeutet dies, dass der Mensch sich entwickelt hat aus Materie, aus einfachen Grundsubstanzen (Molekülen), die immer komplizierter werdend und durch gewisse physikalische Vorgänge zum leben erweckt wurden. Es entstanden einfache lebendige Organismen, die sich zu komplizierteren Pflanzen und Tieren auf immer höhere Stufe entwickelten und endlich aus Affen die höchst entwickelte Tiergattung, der Mensch entstand. Konsequent weitergedacht, bedeutet dies auch, dass Gefühle, sprich Psyche oder Seele und auch Gedanken nichts anderes als Produkte komplizierter materieller Vorgänge chemischer und elektrischer Art sind. Ehrlich weitergedacht, bedeutet dies, dass der Mensch einzig ein Produkt materieller Gesetzmäßigkeiten, die Ihre Verlängerung in Erbanlagen, Mutationen, biologisch- chemischen Reaktionen und daraus resultierenden, gesetzmäßig vorherbestimmbaren Gefühlen, Verhalten und Gedanken hat. Ein Beispiel für daraus resultierende wissenschaftliche Theorien ist die Evulutionslehre von Charles Darwin. Von einem unteren, materiellen, schreitet die Entwicklung weiter zu einem höheren, feinerem, abhängig von dem Gesetz, nach dem das Stärkere sich durchsetz und von zufällig entstehenden Mutationen, die neue Fähigkeiten und Funktionen entstehen lassen Sogenannte Sprünge in der Evolution. Konsequent gedacht, lässt ein solches Weltbild keinen Raum für Freiheit, denn auch der Mensch ist dadurch vollkommen Abhängig von materiellen Gesetzmäßigkeiten. Karl Marx war ausgesprochener Vertreter eines materialistischen Weltbildes und Grundlage des Kommunismus zur Bildung einer gerechteren Gesellschaft ist nicht die Freiheit, sondern die Umverteilung materieller Güter und Produktionsmittel.
Auf der anderen Seite steht der spirituelle Ansatz. Hier steht am Anfang der Geist, das höchste und feinste Prinzip, dass sich immer mehr verdichtet, bis hin zur materiellen Erscheinung und Manifestation. Für ein Menschenbild bedeutet dies, der Geist und geistige Gesetzmäßigkeiten bestimmen letztendlich, absteigend über das Seelische, die körperlichen, materiellen Bedingungen. Der griechische Philosoph Platon sprach zum Beispiel von einer Jenseitigen unsichtbaren Welt der Ideen, die ihre Spiegelung und Manifestation in der äußeren sichtbaren Welt haben. Ein gleichnißhaftes Bild dafür, ist zum Beispiel, das ein Haus ja zunächst entspringt in der Idee des Bauherrn, geplant, durchdacht und als gezeichneter Plan vom Architekten umgesetzt. Dann erst wird es von den Maurern und Handwerkern aus konkreter Materie gebaut und steht dann als Haus vor uns. Die meisten Weltreligionen gehen von diesem spirituellen Ansatz aus und sprechen von Gott oder Schöpfer als geistiges Prinzip. Die katholische Kirche hat mit Konzielsbeschluss zur Zeit des heiligen Augustinius die Einheit von Körper, Seele und Geist des Menschen zerrissen, da Sie Ihm nur Körper und Seele zugesteht und den Geist als fernab vom Menschen in einen fernen Gott verlegt hat. Auch hier bleibt kein Platz für eine Freiheit, denn der Mensch wird dadurch entweder den materiellen Bedingungen oder der Gnade eines fernen Gottes ausgeliefert. Frei ist er nur im Geiste, jenseits der irdischen Dualitäten, jenseits von gut und Böse. Da Ihm aber der Geist nicht eigen ist, bleibt er zu Lebzeiten gefangen in den irdischen Bedingungen. In letzter Konsequenz hat die Amtskirche damit den Menschen des Geistes und der Freiheit beraubt und damit dem Materialismus ausgeliefert und im wesentlichen damit den Kapitalismus gefördert. Soziale Ungerechtigkeiten werden durch materielle Almosen gelindert.
Man kann das Menschenbild auch entwickeln, indem man den Menschen in der Mitte zwischen diesen beiden Extremen ansiedelt. Er steht dann zwischen Geist und Materie, bzw. Himmel und Erde. Seine Seele hat dann Anteil sowohl an den irdischen, materiellen Gesetzmäßigkeiten, als auch an den geistigen, schöpferischen Kräften. Dieses Menschenbild kommt meines Erachtens auch der Wirklichkeit näher. Wie jedes irdische Lebewesen benötigt der Mensch Nahrung, er hat dies mit Pflanzen und Tieren gemein. Weil er eine Seele hat, fühlt er Hunger und den Trieb diesen Hunger zu stillen. Im Gegensatz zum Tier, ist er aber nicht gezwungen diesem Trieb nachzugeben, er kann sich frei entscheiden, ob er diesem Trieb nachgeht, oder fastet (vorausgesetzt es ist Nahrung vorhanden, denn wenn nichts da ist hat er keine Wahl). Ein Tier kann das nicht, es muss fressen wenn Nahrung in diesem Moment vorhanden ist. Der Mensch hat auch die Möglichkeit sich gedanklich Bereichen hinzuwenden, die keine Veranlassung durch äußere oder innere Reize oder Gewohnheiten haben. Zugegebener Weise ist der Normalfall, dass ständig Gedanken in uns kreisen, die durch Sinneswahrnehmungen, Stimmungen, Wünsche usw. ausgelöst werden, aber man kann sich auch unabhängig davon vornehmen seine Gedanken bewusst auf dieses oder jenes zu lenken. Der Mensch kann auch etwas völlig neues erschaffen, denken wir nur an die vielen technischen und kulturellen Errungenschaften. Ein eindeutiger Beweis, dass der Mensch schöpferische Kräfte hat. Unabhängig davon ob es sinnvoll oder sinnlos, aufbauend oder zerstörerisch ist. Ob er es zu materiellen oder geistigen Zwecken nutzt.usw. Kurz gesagt kann man einen Freiheitsbegriff wohl erst dann sinnvoll einführen, wenn der Mensch auch schöpferische Kräfte und eine Wahl unabhängig von den gegebenen Umständen hat. Freiheit im inneren Sinn ist sehr individuell und kann auch unabhängig von materiellen Bedingungen und sozialer Gerechtigkeit existieren, denn ob der Mensch arm oder reich, gesund oder krank ist, so hat er doch die Freiheit sich mental auf eine Ebene auszurichten, die unabhängig von den materiellen Umständen ist, oder auch sich ganz von der materiellen Problematik einfangen zu lassen. Im äußeren, materiellen, irdischen Leben wird er aber nie ganz frei und gerecht sein können, denn dieser Bereich ist doch immer auch begrenzt. So wird der Mensch zum Beispiel niemals unbegrenzt die Schätze der Erde ausbeuten können, denn die stehen einfach nur begrenzt zur Verfügung. Frei kann er aber darin sein, wie er die zur Verfügung stehenden Resorcen benutzt und verteilt und wie er auch das menschliche Leben untereinander mitgestaltet. Freiheit im Äußeren führt nicht notgedrungen zu mehr sozialer Gerechtigkeit und sozialere Verteilung von Gütern nicht notgedrungen zu innerer Freiheit.
Kommen wir zurück auf das Thema Grundeinkommen. Ein Grundeinkommen, ausgehend von einem einseitig materialistischem, darwinistischem Welt- und Menschenbild, wird zwangsweise kommunistische oder kapitalistische Züge tragen und an Bedingungen geknüpft sein oder so gering sein, dass es nicht wirklich zu Veränderungen führt, außer dass es nicht mehr Harz IV. genannt wird. Selbst wenn es höher als zur Zeit liegt könnte es höchstens zu mehr Konsum der Ärmeren und damit ein klein wenig zum viel Beschworenen Wirtschaftswachstum beitragen. Es wird unter Umständen bei genügender Höhe die Gemüter sozial Schwächerer vorrübergehend beruhigen und die Stärkeren in Ruhe ihre äußere Freiheit weiter ausbauen lassen. Ein Grundeinkommen ausgehend von einem Menschenbild, dass dem Menschen eine Anlage zu einem freien Ich und Schöpferkraft zubilligt, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass er ein sehr komplexes Wesen ist, mit Anteilen von geistiger Freiheit und Ethik, aber auch mit gebundenen Anteilen an Trieben, Emotionen und materielle Gesetzmäßigkeiten, wird so gestaltet sein, dass es hoch genug ist um auch über die reine Grundsicherung von wohnen und essen hinaus eine Teilnahme am kulturellen Leben und Bildung ermöglicht. Es wir bedingungslos sein und das Empfinden der Anerkennung als freier Mensch transportieren. Es wird sich auch freihalten von überzogenen Erwartungen, in dem Bewusstsein, dass es dem Menschen ermöglicht freier von wirtschaftlichen Nöten das eigene schöpferische Potential zu entfalten, oder aber auch es verkümmern zu lassen. Darüber hinaus wird es parallel dazu auch neue Denkmodelle auf dem Gebiet der Bildung, Politik und Wirtschaft entwickeln müssen. Zum Beispiel die Abkopplung der Steuereinnahmen vom Arbeitslohn. Oder das Gleichsetzen der menschlichen Arbeit mit einer Ware.
© Gerhard Himmel
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Saturn in Astrologie und
Geisteswissenschaft
Gerhard Himmel
Saturn und seine Aspekte in erweiterter Sicht. Die Bedeutung für Karma, Spiritualität,Psyche und Körper. Broschüre DINA
5,
42 Seiten --------------------hier können Sie eine Vorschau der ersten Seiten
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