Samstag, 8. mai 2010 6 08 /05 /2010 18:35

Die Realisierungschancen einer Steuer auf Finanztransaktionen sind so gut wie noch nie: In Deutschland haben sich Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Köhler mehrfach für eine Finanztransaktionssteuer ausgesprochen. Mit Ausnahme der FDP unterstützen alle im Bundestag vertretenen Parteien die Forderung (die Unionsfraktion blockiert sie tatsächlich jedoch mit dem Anspruch auf eine internationale Einführung). In Frankreich hat sich Staatspräsident Sarkozy, in Österreich Bundeskanzler Faymann und in Großbritannien Premierminister Gordon Brown für die Steuer ausgesprochen. Auch EU-Kommissionspräsident Barroso, das Europäische Parlament und Ratspräsident Rompuy haben sie gefordert. Im Rahmen der G20 scheinen sich die Regierungen jedoch nicht auf ein koordiniertes Vorgehen einigen zu können - und benutzen dies als Argument gegen die Finanztransaktionssteuer und praktisch jegliche nennenswerte Reform.

Im September 2009 haben die G20 bei ihrem Gipfeltreffen in Pittsburgh den Internationalen Währungsfonds (IWF) beauftragt, bis Juni 2010 Instrumente zur internationalen Heranziehung des Finanzsektors an die Krisenkosten zu prüfen und eine Ergebnisstudie vorzulegen. Während sich in der Zwischenzeit mehr und mehr politische Kräfte für die Finanztransaktionssteuer aussprechen, sind vom IWF in einer Zwischenstudie eher ablehnende Töne zu hören. Und während Schäuble, entgegen dem CDU-Beschluss, die Einführung einer Finanztransaktionssteuer bereits für unrealistisch erklärt hat, macht sich US-Präsident Obama stattdessen für eine Bankenabgabe stark.

Doch Herr Schäuble darf nicht Recht behalten! Eine Bankenabgabe ersetzt nicht die Transaktionssteuer, die neben den Banken auch Hedgefonds und andere Akteure auf den Finanzmärkten bezahlen müssen. So nutzen die Banken die Krise um Griechenland, um Spekulationsgeschäfte gegen den Euro-Raum zu machen, während die Steuerzahler wieder blechen sollen. Mit der Steuer kann solchen schädlichen Machenschaften ein Riegel vorgeschoben werden.

Unsere internationale Kampagne

Deswegen koordinieren die europäischen Attacs eine weltweite Internet-Kampagne für eine Finanztransaktionssteuer. Ein internationales Netzwerk aus Nichtregierungsorganisationen, kirchlichen und gewerkschaftlichen Gruppen sowie Attac hat einen Offenen Brief an die Staats- und Regierungschefs der G 20-Länder aufgesetzt, der online unterschrieben werden kann. Der Brief fordert die Staats- und Regierungschefs dazu auf, für die Einführung einer Steuer auf den Finanztransaktionen zu sorgen.

Die Kampagne hat in Deutschland Mitte Februar mit der Veröffentlichung des deutschsprachigen Filmspots während der Berlinale begonnen. In der letzten Februarwoche haben sich der sogenannten "Cyberaction", die auf einer internationalen Kampagnenplattform durchgeführt wird, zahlreiche weitere Länder angeschlossen. Wir hoffen auf mehrere zehntausend bis hunderttausende Unterschriften bis zum G 20-Gipfel im Juni in Toronto.

Der Filmspot mit Heike Makatsch und Jan Josef Liefers

Der Spot ist dem Video der britischen Kampagne "Robin Hood Tax" nachempfunden, mit Comedian Bill Nighy in der Hauptrolle.

 

von Gerhard - veröffentlicht in: Politik - Community: Freiheit der Gedanken
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Freitag, 30. april 2010 5 30 /04 /2010 13:37
Der folgende Beitrag wurde unter : http://neuedemokraten.blogspot.com/2010/04/bedingungsloses-burgergeld.html
eingestellt, wo auch die Diskussion verfolgt werden kann.
Das Bürgergeld, das ausnahmslos ohne irgendeine Einschränkung an ALLE gezahlt wird, spaltet die Gemüter. Grundsätzlich einig sein dürfte man sich doch darin, dass ein ganz wichtiger Schritt damit getan werden kann – hinweg von der menschenunwürdigen Stigmatisierung durch Hartz IV! Wenn Sie aufmerksam unser Modell gelesen haben, dann konnten Sie auch erkennen, dass alles finanzierbar ist – und nicht nur das, dass durch das Modell des New Deal durch beispielsweise den Wegfall der Belastungen der AG von Sozialabgaben wertvolle Impulse geschaffen werden zu einer Bereitschaft im Hinblick auf die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen.

Und da beim Stichwort „Arbeit“ und der Bereitschaft, sich in einen Arbeitsprozess einzugliedern, wo es doch „Bürgergeld“! gibt, treten die Gegner an. Sie argumentieren, dass sich eben Menschen in die „soziale Hängematte“ legen würden. Kurzum: Dass man sich noch mehr Sozialschmarotzer heranziehen würde! Dass es diese immer schon gegeben hat und dass es irgendwie diese immer geben wird, dürfte allen klar sein. Denn „man macht aus einem Esel kein Rennpferd“. Hier im Sinne von: Manche lernen es nie – weil sie es gar nicht wollen! Sie nennen sich „Individualisten“ und schimpfen auf die Arbeitgeber als „Ausbeuter“ und wollen „so etwas nicht mitmachen“ und sind selbst die Ausbeuter einer Solidargemeinschaft.

Wird es nun diese Einstellung sozialer Inkompetenz vermehrt geben, wenn ein Bürgergeld gezahlt wird? Wir denken eigentlich „nein“. Zum einen bedeutet das Bürgergeld lediglich eine „Grundsicherung“, die es den Menschen erlaubt, angstfreier jeden neuen Tag, der durch das bei Hartz IV erforderliche Umdrehen jedes einzelnen Cents belastet ist, begrüßen zu können. Viele Menschen sind unverschuldet arbeitslos geworden und sie wollen nichts so sehr, als wieder zu arbeiten. Denn jegliches über das Bürgergeld hinausgehende Einkommen bedeutet eben „Wohlstand“ erwerben. Wobei das psychische Moment jedoch in unseren Augen ganz wichtig ist: Menschen wollen gebraucht werden. Menschen wollen Erfolg haben. Menschen wollen etwas schaffen. Menschen wollen nicht „die anderen ausnutzen“. Menschen wollen mehr Gerechtigkeit.

Wir haben eine gute Meinung von den Menschen – aber wir sind natürlich auch nicht blind, womit wir meinen, dass eben unter Umständen doch eine „Hängemattenmentalität“ gefördert werden könnte. So haben wir das Bürgergeld noch einmal auf den Prüfstand gehoben und könnten uns zu der Bedingungslosigkeit der Zahlung an ALLE eine Einschränkung hinsichtlich des vollen Erhalts im Falle von „Arbeitsunlust“ vorstellen. Somit ist durchaus vorstellbar, dass die nicht arbeitenden Bezieher des Bürgergeldes zwecks Erlangung der vollen Leistung von 800 Euro eine gewisse Anzahl an Stunden im Monat (vielleicht 20) an sozialer Arbeit leisten könnten. Die Möglichkeiten dazu sind doch vielfältig gegeben, denn es fehlt in vielen Bereichen an helfenden Händen.

Sollte jemand diese Arbeiten nicht wollen, dann würden ihm 100 Euro vom Bürgergeld abgezogen. Diejenigen, die arbeiten, betrifft es nicht, diejenigen, die aufgrund ihrer guten Verhältnisse, in denen sie leben, nicht auf Bürgergeld angewiesen sind, sind ebenfalls nicht pekuniär betroffen. Und diejenigen, die „unlustig“ sind, werden sich dann überlegen, ob sie nicht doch eine „normale“ Arbeit mit gerechter Bezahlung annehmen, wo sie eben Geld dazu verdienen!

Wir haben das einmal „angedacht“, denn wir sind keinesfalls kritikresistent und nehmen Bedenken sehr ernst. Grundsätzlich ist unser Bürgergeldmodell sehr gut – da stehen wir zu. Aber man muss eben immer wieder drüber schauen, überdenken, verbessern. Von daher gesehen danken wir immer nicht nur unseren Befürwortern, sondern auch den Kritikern, die uns Anregungen bringen.

Was halten Sie von unserer Idee der kleinen „Bedingung“ bei ansonsten bedingungsloser Zahlung eines Bürgergeldes?

von Gerhard - veröffentlicht in: Politik - Community: Lebensalltag
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Freitag, 2. april 2010 5 02 /04 /2010 14:56

Dokumentation zur Veranstalltung Teatherwandel im Februar in Köln

 

Im Februar fand in Köln eine Veranstalltung zum Thema Liebe, Geld und Verantwortung statt. Hier nun die Dokumentation mit Videos die dort entstanden sind.

 

http://i2.ytimg.com/vi/AdOTjKrKC0g/default.jpg

 

 

 

Falls Sie den Theaterwandel-Videokanal abonnieren möchten, bekommen Sie jeweils alle aktuellen Videos geliefert.

 

Auf der Seite

 

 

können Sie sich über die weiteren geplanten Termine auf dem Laufenden halten.

 

 

mit besten Wünschen für ein gesegnetes Osterfest und

 

mit freundlichen Grüßen aus Köln:

 

 

R.T. Musiol

Produktionsleitung

von Gerhard - veröffentlicht in: Politik - Community: Freiheit der Gedanken
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Mittwoch, 31. märz 2010 3 31 /03 /2010 11:06

Eine neue Initiative ist entstanden, die sich den Themen Grundeinkommen,  Finanzierbarkeit, Gesundheit, Rente, Umwelt stellt mit dem Ziel eine Partei zu gründen, nach dem Motto von Menschen für Menschen. Sie nennt sich "Deutschlands neue Demokraten".

 

Den folgenden Artikel habe ich auf ihrem Blog unter Themen des Monats gefunden.

 

 

Was wollen wir - was brauchen wir ?

Eine sicherlich nicht leicht zu beantwortende Frage. Denken wir an den demografischen Wandel in unserer Gesellschaft, dann muss man sagen: Neue Bürger braucht das Land. Die Geburtenrate sollte wieder höher sein. Denken wir an die desolate Situation von Familien und Kindern in unserem Land, dann kommt sicherlich der Begriff „Verantwortung“ in die Diskussion. Setzt man Kinder in die Welt, die ein Erbe antreten, das Hartz IV heißt? Sollen Familien, die in der Armutsfalle gefangen sind oder aber schlichtweg erst einmal „nur“ arbeitslos sind mit ALG 1 sich erst einmal einen (weiteren) Kinderwunsch versagen, bis es wieder aufwärts geht? Und wenn nicht, dann sich überhaupt keine Kinder mehr „anschaffen“, weil sie selbst sich diese nicht „leisten“ können und der Staat weiterhin belastet wird?

Es gab eine Untersuchung, dass Frauen als Hartz IV-Empfängerinnen häufiger schwanger werden, da sie kein Geld für Verhütung haben. Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wollen nunmehr eine Bundesratsinitiative vorantreiben mit dem Ziel des kostenlosen Erhalts von Verhütungsmitteln an eben diese Frauen. In Berlin gibt es das bereits! Früher hat das Sozialamt die Kosten noch übernommen, Hartz IV tut das nicht mehr. Bei Euro 13,18 im Regelsatz enthaltener Kosten für Gesundheitspflege, wovon Mittel gegen Kopfschmerzen, Pflaster, Verbände etc. gezahlt werden müssen, bleibt für Verhütung nichts mehr übrig.

Die Bundesagentur für Arbeit nennt 1,65 Mio an Frauen im Alter zwischen 21 und 49, die von Hartz IV leben müssen.

Pro Familie fordert eine bundesweite Regelung, die eine Erstattung von Verhütungskosten der betroffenen Frauen vorsieht.

Was halten Sie davon?

 

Link direkt zur Diskussionsseite

von Gerhard - veröffentlicht in: Politik - Community: Lebensalltag
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Mittwoch, 3. märz 2010 3 03 /03 /2010 14:44

Schlaraffenland Hartz4

oder eine wahre Geschichte aus dem Alltag von Fördern und Fordern

 

Kurze Vorgeschichte: Ich bin 59 Jahre, habe eine qualifizierte Ausbildung und habe bis zum 56. Jahr immer gearbeitet, ohne Sozialleistungen in Anspruch nehmen zu müssen. In den letzten Jahren als kleiner Selbständiger. Mit 56 Jahren kam ein Einbruch und mit der selbständigen Arbeit konnte ich das Existenzminimum nicht erwirtschaften, meldete mich arbeitssuchend und beziehe seither einen Zuschuss nach Hartz4. Es wurde mir ein schöner Vertrag zum unterzeichnen vorgelegt, eine Vereinbarung zwischen mir und der ARGE. Diese Vereinbarung besagt, dass ich mich verpflichte meine selbständige Arbeit weiter auszubauen um mehr zu erwirtschaften, mich parallel um eine sozialversicherungspflichtige Arbeit bemühen muss und dem Arbeitsmarkt uneingeschränkt zur Verfügung stellen muss. Als Gegenleistung verpflichtet sich die ARGE, mich in diesen Bemühungen tatkräftig zu unterstützen und durch Zuwendung von Geldleistung nach dem Hartz4 Gesetz dafür Sorge zu tragen, dass mein Existenzminimum gewährleistet ist. Eine Vereinbarung, der ich zugestimmt habe. Seither habe ich hunderte Bewerbungen geschrieben, nicht nur in meinem angelernten Qualifizierten Beruf, auch sogenannte unter qualifizierte. Parallel die Bemühung um Ausbau der selbständigen Tätigkeit. Alle Bewerbungen wurden auf Grund des Alters abgelehnt, die selbständige Arbeit ist immer noch nach allem was ich an gesetzlichen Versicherungen und Geschäftsraummiete an Ausgaben habe, unter dem Existenzminimum. Für einen Arbeitsplatz in meinem alten Beruf würde ich sofort bereit sein um-zuziehen und auch voll Bereit zustehen. Die Erfahrung zeigt aber, dass mich mit diesem Alter niemand haben will, was ich schon absurd finde, vor allem in dem Zusammenhang, dass das Rentenalter ja erhöht wurde. Was soll so ein Quatsch, wenn Arbeitgeber ältere überhaupt nicht einstellen? Die Unterstützung der ARGE sieht so aus, dass Sie mir ab und zu Einladungen schickt um über meine berufliche Zukunft zu sprechen, was bedeutet, sie wollen die Nachweise von meinen hunderten vergeblichen Bewerbungen und geben mir dann noch 2 Stellenausschreibungen aus ihrem Pool, meist solche die ich längst schon in Eigeninitiative angeschrieben habe, oder die sowieso absurd sind. Außerdem brauch ich keine Rundfunkgebühr bezahlen, aber mir mal 20 € für Weiterbildung in meinem Beruf als Selbständiger zu gewähren, oder Ausgaben für eine Zeitungsannonce ist nicht drin. Man ist also der Meinung es ist für mich eine größere Förderung für meine Wiedereingliederung, wenn ich mir in den Fernsehnachrichten gebührenfrei anhören darf, dass Herr Westerwelle und andere „Leistungsträger“ mich als Faulpelz und Schmarotzer beleidigen dürfen und mich an den Vorbildern der Leistungsträger, sprich Bänker die Milliarden vernichten und dafür mit Boni und Staatssicherheiten belohnt werden, orientiere. Oder Fernsehdiskussionen anschaue, in der die Stützen der Gesellschaft sich verbal attackieren und die Stimmung emotional aufheizen und verschiedene Bevölkerungsschichten gegeneinander aufhetzen und mir weiß machen, dass ich entweder ein fauler Schmarotzer bin oder ein armer Edelmensch, der von bösen Reichen ausgebeutet und betrogen wird. Ich finde es zutiefst demütigend und verletzend, nicht als Mensch wahrgenommen zu werden, sondern als Bittsteller, der entweder als Faulpelz oder als armer Pechvogel um ein Almosen betteln soll.

 

Doch nun die eigentliche Geschichte aus dem Alltag des Förderns und Forderns.

Vor 3 Wochen ist es mir gelungen einen Nebenjob zu finden, die Innen und Außenreinigung eines Wohnobjektes, als Angestellter einer Immobilienfirma, was konkret bedeutet jeden Monat fest und regelmäßig 228,- € für wenige Stunden die Woche zu verdienen und bei Schneefall durch Winterdienst zusätzlich eine feste Pauschale pro nötigen Einsatz. Naiv und Gesetzes treu bin ich sofort zur ARGE, habe angegeben, dass ich dort in dem laufenden Monat noch 114,- € hinzu verdienen kann, aber erst Mitte des Folgemonats ausbezahlt werde und darauf hingewiesen auch erst dann die erforderliche Lohnbescheinigung vom Arbeitgeber bekomme. Da ich die unmögliche Bürokratie der ARGE aus Erfahrung kenne, habe ich mich absichern wollen und nochmals ausdrücklich gebeten, mir am nächsten 1. die volle Summe der mir zustehenden Unterstützung zu überweisen und dann könne man mir gerne Mitte des Monats entsprechend der Gesetzeslage den zu viel gezahlten Betrag abziehen. Ich brauch mir keine Gedanken machen hieß es, es werde alles nach den geltenden Bestimmungen ablaufen.

Am letzten Wochenende des Monats fuhr ich dann freudig und guten Mutes in eine weiter entfernte Stadt, um meine Familie nach langer Zeit zu besuchen und dort auch ein Theaterstück zu besuchen, was schon seit 2 Jahren nicht mehr möglich war, wegen der finanziellen Situation. Jetzt mit der Aussicht etwas von dem hinzu verdienten ja nächsten Monat behalten zu können, konnte ich die 50,00 € für Fahrt und Theatereintritt guten Gewissens riskieren.

Montags zurück, es war der 1., sah ich auf meinem Bankauszug, es war keine Zahlung eingegangen. Die Abbuchungen für Miete und Krankenkassen waren zurück gebucht mit Mehrkosten von insgesamt 9,00 € wegen der Rückbuchung, weil Konto nicht gedeckt. Essen einkaufen war auch nicht. Hungrig kam der Nachmittag. Im Briefkasten die Mitteilung der ARGE, dass ich ja eine Arbeit angenommen habe und deshalb die Zahlungen eingestellt werden, bis bei Einreichung der Lohnbescheinigung eine neue Berechnung gemacht würde. Da hatten Sie mich dann doch auf dem aufgeheizten Level der Öffentlichkeit und meine Emotionen liefen auf Hochtouren und wenn die ARGE noch geöffnet gewesen wäre, hätte durchaus die Möglichkeit bestanden, dass ich hin wäre und dem Sachbearbeiter eins rein gehauen hätte. Den ganzen Abend und in der schlaflosen Nacht habe ich darum gekämpft mich auf eine sachliche Anschauung herunterzufahren. Am nächsten Morgen bin ich dann zur ARGE. Habe dem Sachbearbeiter ruhig die Situation beschrieben, aber auch verlauten lassen, welche Mühe es mich kostet ruhig zu bleiben, und um Lösung gebeten. Ich wurde dann in den Warteraum verwiesen. Nach einiger Zeit wurde ich wieder ins Büro geholt mit der Information, ich würde jetzt etwas Geld zum Einkaufen bekommen.t mitnehmen. Auf meine Frage, wann denn der Rest überwiesen würde, denn ich müsse Miete und Krankenkasse jetzt Anfang des Monats bezahlen und dass ich sowieso schon den Verlust von 9 € habe, wegen nicht Deckung des Kontos, bekam ich zur Antwort, das ginge erst, wenn die Lohnbescheinigung da wäre. Da habe ich ganz ruhig geantwortet: „ Ich bin nicht einverstanden, denn 1. hatte ich das alles schon 2 Wochen vorher genau erklärt. 2. wäre doch die einfache Rechnung, wenn für den Monat etwas abzuziehen wäre, dann doch höchstens 20 €, denn 100,00 € mehr kann ich ohne Abzug hinzu verdienen. Von mir aus könnten Sie aber das zu erwartende jetzt abziehen, das wären nach meiner Rechnung aber nur 20€ weniger und Miete und Krankenkasse müsse ich jetzt bezahlen und ich bin die ewige Demütigung Leid, ich gehe nicht weg, bis ich mein Recht habe.“ Wieder wurde ich in den Warteraum geschickt und unruhig fragte ich mich, ob es nicht klüger gewesen wäre, ich hätte das Taschengeld angenommen und mir etwas zu Essen gekauft. Aber ich merkte deutlich, hätte ich mich Eingelassen wäre mein menschliches Ehrgefühl verletzt gewesen und meine Lebensenergie aus der Engen Wirtschaftlichen Situation herauszukommen wäre auf einen Tiefpunkt gefallen. Nein, ich lasse mich nicht wie ein dummes Schaf von irgendjemand herum schicken, weil er meint er wäre was besseres. Nach längerem Warten, hatte ich 50 € mehr angeboten bekommen. Nein Danke, ich gehe nicht eher bis ich den mir zustehenden Betrag bekomme. Nach nochmaliger Warteschleife, war dann noch ein weiterer Mitarbeiter im Büro, der für die Berechnungen zuständig war und wollte mir klar machen, er wäre Angewiesen Überzahlungen zu vermeiden und es täte Ihm Leid, er brauche die Lohnbescheinigung, ehe er genau rechnen könne. Darauf hin habe ich erläutert, dass ich schon seine Position sehe, dass ich davon ausgehe, dass er ein Mensch ist, und dass ich ein Mensch bin, dass uns nur die berufliche Situation unterscheidet. Aber ob er denn glaube ich lüge und würde in Wirklichkeit wesentlich mehr als angegeben verdienen und wollte betrügen. Nein war die Antwort. Daraufhin habe ich nochmal die einfache Rechnung aufgestellt, er könne doch die 120 € abziehen die ich erwarte, mir den Rest auszahlen und uns wäre Beiden geholfen, denn dann könnte ich die Miete und Krankenkasse zahlen und was denn so tragisch wäre, wenn sich im Nachhinein herausstellen würde, ich hätte doch 20 € zu viel bekommen und er würde es dann bei der nächsten Zahlung abziehen?

Jedenfalls habe ich dann das Geld bekommen und konnte gehen ohne das Gesicht zu verlieren und hatte eigentlich auch den Eindruck, dass es für die ARGE Sachbearbeiter letztendlich befriedigender war. Trotzdem, war das nötig? Immerhin hat es auch noch zusätzlich einige Stunden Arbeitszeit verschlungen.

 

Noch einen Gedanken möchte ich zum Schluss noch loswerden. Wir rühmen uns eine aufgeklärte, die Menschenrechte achtende Gesellschaft zu sein. Früher gab es in vielen Teilen der Welt Sklaven und wir betrachten es als großen Fortschritt Sklaverei abgeschafft zu haben. Was aber ist ein Sklave anderes, als ein Mensch, der von anderen gezwungen wird arbeiten zu machen, die er nicht frei gewählt hat? Aber immerhin musste früher der Sklavenhalter selbst dafür sorgen, dass seine Sklaven zu Essen hatten. In unserer Gesellschaft sieht es zur Zeit so aus, das Menschen zur Arbeit gezwungen werden sollen oder sich aus wirtschaftlicher Not oder psychischem Druck dazu bringen lassen, zu Löhnen zu arbeiten, die ihnen nicht einmal gestatten Miete zu zahlen und davon satt zu Essen zu bekommen, geschweige denn etwas übrig zu haben am kulturellen oder Bildungsleben teilzuhaben. Und als Krone vom ganzen ist es noch so organisiert, dass am Ende nicht derjenige, der zu seinem Gewinn die Arbeitskraft in Anspruch nimmt (früher hätte man Ihn als den Sklavenhalter bezeichnet), dafür aufkommt, dass seine Sklaven zu Essen haben, sondern die Gemeinschaft der Steuerzahler muss durch Zuschüsse dafür sorgen, dass der zu Billiglöhnen genötigte nicht verhungert. Ich sehe darin keinen Fortschritt zur Sklaverei, sondern ein noch tieferes gesunken sein, angesichts der Tatsache, dass wir nicht in einem Mangelland leben, wo nicht genug Waren und Nahrungsmittel vorhanden sind, sondern in einer Gesellschaft, wo täglich soviel Warengüter auf Halde liegen, Nahrungsmittel vernichtet werden oder aus Überfluss vergammeln und weggeworfen werden. Wollen wir wirklich das als erstrebenswerte Gesellschaft ansehen ? Dahingehend kann ich auch jeden Menschen verstehen, der sagt: „ Nein Danke, für so eine Gesellschaft möchte ich mich nicht darauf einlassen eine mies bezahlte Arbeit aufzunehmen und damit noch zum Erhalt eines so bedauernswerten Zustandes beitragen.“

von Gerhard - veröffentlicht in: Politik - Community: Lebensalltag
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